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Mehr verletzte Kinder bei Verkehrsunfällen in 2019

By 1. Februar 2020September 17th, 2020No Comments

Die Initia­ti­ve Kre­fel­der Fair­kehr ist alar­miert: Nach vie­len „guten Jah­ren“ ist im ver­gan­ge­nen Jahr 2019 die Zahl der ver­letz­ten Kin­der nach Ver­kehrs­un­fäl­len auf 100 (73 in 2018) ange­stie­gen. Dies sind zwar immer noch deut­lich weni­ger als die 169 ver­letz­ten Kin­der im Jahr 1999, als die Initia­ti­ve der Stadt, der Poli­zei und der Ver­kehrs­wacht ihre Arbeit auf­nahm, den­noch über 25 Pro­zent mehr als in 2018. „Es hat in den 21 Jah­ren immer wie­der Schwan­kun­gen gege­ben, die­se soll­te uns aber auf­hor­chen las­sen“, sagt Micha­el Hüls­mann, Geschäfts­füh­rer der Initia­ti­ve Fair­kehr. Hans Hame­st­uk, neu­er Lei­ter des Arbeits­krei­ses Ver­kehrs­si­cher­heit für Kin­der in Kre­feld, ergänzt: „Das Ergeb­nis zeigt uns sehr deut­lich, dass es eine Dau­er­auf­ga­be bleibt.“ 84 Kin­der wur­den in 2019 leicht ver­letzt, 16 schwer (das heißt, sie wur­den sta­tio­när im Kran­ken­haus aufgenommen).

Wäh­rend es in Tra­ar, Bockum, Linn und Gel­lep-Stra­tum kaum bis gar kei­ne Unfäl­le gab, stel­len die süd­li­che Innen­stadt, Königs­hof und Fischeln einen Schwer­punkt dar. Ein Blick auf die Tages­zeit zeigt, wann Kin­der beson­ders gefähr­det sind: Knapp 20 Pro­zent der Unfäl­le ereig­ne­ten sich zwi­schen 7 und 8 Uhr mor­gens sowie 16 und 17 Uhr. „Mor­gens müs­sen sich die Kin­der durch den Berufs­ver­kehr bewe­gen, am Nach­mit­tag sind sie dann in ihrer Frei­zeit unter­wegs“, erklärt Vere­na Fischer, die neue Lei­te­rin der Direk­ti­on Ver­kehr bei der Poli­zei. Rund zwei Drit­tel der ver­letz­ten Kin­der (68) waren akti­ve Ver­kehrs­teil­neh­mer. Es sind wei­ter­hin mehr Jun­gen als Mäd­chen ver­letzt wor­den. Der Anstieg bei den ver­letz­ten Mäd­chen auf 45 ist gegen­über dem Vor­jahr (23) aller­dings beacht­lich. Auch beim Blick auf die Unfall­ur­sa­chen sind Ent­wick­lun­gen offen­sicht­lich: Als Geis­ter­fah­rer ver­letz­ten sich elf Kin­der (2018: drei), beim unvor­sich­ti­gen Betre­ten der Fahr­bahn waren es 23 (2018: elf).

Beim Betrach­ten der Unfäl­le wer­den die jewei­li­gen Ursa­chen ver­merkt. Um sie bes­ser zu ana­ly­sie­ren, wird es nun ein gemein­sa­mes For­schungs­pro­jekt mit der Ber­gi­schen Uni­ver­si­tät Wup­per­tal geben. Durch die Ana­ly­se der Frei­zeit­mo­bi­li­tät der Kin­der sol­len neue Erkennt­nis­se zu den Wege­zwe­cken, der Ver­kehrs­mit­tel­wahl und zu den maß­geb­li­chen Zie­len in der Frei­zeit erlangt wer­den, um dar­auf auf­bau­end Maß­nah­men zu ergrei­fen. Durch Befra­gun­gen an Schu­len soll her­aus­ge­fun­den wer­den, wie Zie­le in der Frei­zeit von Kin­dern auf­ge­sucht wer­den. Fra­gen sind dabei „Wer­den die Wege noch eigen­stän­dig zurück­ge­legt zu Fuß oder mit dem Fahr­rad? Oder wer­den Kin­der heut­zu­ta­ge über­wie­gend zu den Zie­len gebracht und wie­der abge­holt? Wel­che Akti­vi­tä­ten machen Kin­der in Ihrer Frei­zeit? Wer­den der öffent­li­che Stra­ßen­raum, Wege und Plät­ze noch zum Verweilen/​Spielen genutzt? Sind Kin­der noch kör­per­lich aktiv und mobil oder gren­zen PC und Smart­pho­nes die zurück­ge­leg­ten Wege deut­lich ein?“ Durch anony­mi­sier­te Videobe­ob­ach­tun­gen im Bereich der auf­ge­such­ten Zie­le soll das Ver­kehrs­ver­hal­ten von Kin­dern aus­ge­wer­tet wer­den. Dabei fragt man sich: „War­um ist der Anteil des Fehl­ver­hal­tens bei den Kin­dern rela­tiv hoch, ins­be­son­de­re beim Rad­fah­ren? Wird das Rad­fah­ren bis zur Rad­fahr­prü­fung noch aus­rei­chend geübt?“

Motorische Probleme bei vielen Kindern

Dar­auf haben die Fair­kehr-Mit­strei­ter schon eine Ant­wort parat: Immer mehr Kin­der kön­nen nicht oder kaum Fahr­rad­fah­ren. Fischer: „Eini­ge ler­nen es noch kurz vor der Rad­fahr-Prü­fung im ‚Hau­ruck-Ver­fah­ren‘, kön­nen sich dann aber nicht mehr auf die Ver­kehrs­re­geln kon­zen­trie­ren. Die moto­ri­schen Miss­stän­de sind offen­sicht­lich.“ Für Joa­chim Wich­mann, Vor­sit­zen­der der Ver­kehrs­wacht, ein Erzie­hungs­pro­blem: „Die Eltern tra­gen hier klar die Ver­ant­wor­tung. Was zu Hau­se ver­säumt wird, kann die Schu­le nicht auf­ho­len, auch wenn sich die Leh­rer gro­ße Mühe geben.“

Auch des­we­gen soll nun schon in der Kin­der­ta­ges­ein­rich­tung (Kita) ange­setzt wer­den. Eine neue Bro­schü­re berei­tet die Kin­der früh vor und macht sie zu Mit­glie­dern in „Fred­dys Fair­club“. Im 16-sei­ti­gen Heft erklärt Fred­dy Fair, das Fair­kehr-Mas­kott­chen, auf was es ankommt. Er ani­miert Eltern zum Trai­ning mit ihren Kin­dern für die siche­re Teil­nah­me im Stra­ßen­ver­kehr. Und damit die Kin­der akti­ve Mit­glie­der im Club blei­ben, erhal­ten sie einen Mobil-Pass. Hier kön­nen sie ihr Foto ein­kle­ben, ihre Kita ver­mer­ken und den zustän­di­gen Poli­zis­ten auf­schrei­ben. Für das Trai­ning mit der Poli­zei, für den Besuch der Ver­kehrs­pup­pen­büh­ne und die Teil­nah­me an Ver­kehrs­übun­gen, dann schon in der ers­ten Klas­se, gibt es jeweils einen Stem­pel­auf­druck. Mit dem vol­len Mobil-Pass neh­men sie abschlie­ßend an einer Ver­lo­sung teil.

Wei­te­re Maß­nah­men flan­kie­ren Bro­schü­re und Mobil-Pass: Die Kin­der­stadt­plä­ne und Schul­rad­weg­plä­ne wer­den wei­ter aktua­li­siert, der Ein­satz von Fred­dy Fair bei Ver­kehrs­si­cher­heits­ak­tio­nen wird inten­si­viert und es soll wei­te­re Eltern­hal­te­stel­len geben. Die Pup­pen­büh­ne hat ein neu­es Stück, die Aktio­nen „Toter Win­kel“ und „Black Box“ wer­den fort­ge­führt und auch die monat­li­che Ver­kehrs­schau zur Ver­bes­se­rung der Ver­kehrs­si­cher­heit wird fortgesetzt.