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Krefelder Polizei kontrolliert Radler und Autofahrer

By 20. November 2012Januar 11th, 2021No Comments

Ben (12) weiß gar nicht, wie ihm geschieht, als ihn die Poli­zei auf sei­nem Fahr­rad stoppt – Kon­trol­le vor der Wal­dorf­schu­le an der Kai­ser­stra­ße. Nach­dem die Mäd­chen und Jun­gen in den ver­gan­ge­nen Wochen von Poli­zis­ten auf die rich­ti­ge Aus­stat­tung ihrer Räder hin­ge­wie­sen wur­den und auch Kon­trol­len ange­kün­digt wor­den sind, machen die Beam­ten an die­sem Mon­tag­mor­gen ernst. Sie zie­hen Schü­ler wie Ben aus dem Ver­kehr, die an die­sem dunk­len Herbst­mor­gen ohne Licht unter­wegs sind. 

„Ich wuss­te nicht, dass ich mit Licht fah­ren muss“

Der Zwölf­jäh­ri­ge ist ganz über­rascht: „Ich wuss­te nicht, dass ich mit Licht fah­ren muss.“ Kopf­schüt­telnd ste­hen die Beam­ten neben ihm. „Wann hat­test Du denn Dei­ne Rad­fahr­prü­fung?“ – „In der vier­ten Klas­se. Aber da hat mir kei­ner gesagt, dass ich mit Licht fah­ren muss.“ Erneu­tes Kopf­schüt­teln. Denn das kön­nen sich die Poli­zis­ten nun gar nicht vor­stel­len. Das Licht jeden­falls ist kaputt. „Mal geht’s, mal nicht“, sagt Ben. „Dann musst Du schie­ben“, lau­tet die Antwort.

Zum Glück sind es bis zur Schu­le nur noch ein paar Meter. Bens Eltern wer­den in den nächs­ten Tagen Post bekom­men, wo die Män­gel auf­ge­führt sind. Ein Ver­war­nungs­geld ist nicht fäl­lig – das wird erst ab 14 gefor­dert. Über­ra­schen­der­wei­se gehört auch eine erkleck­li­che Zahl an Leh­rern dazu. „Auch die fah­ren regel­mä­ßig ohne Licht“, plau­dert ein Poli­zist aus dem Nähkästchen.

Zehn Euro kos­tet es auch einen Kre­fel­der, dass er nur ein schwach vor sich hin blin­ken­des LED-Licht vor­wei­sen kann, das er zudem not­dürf­tig mit Iso­lier­band fest­ge­klebt hat. „Das reicht nicht“, sagt der Poli­zist nach einem kri­ti­schen Blick. Die Brem­se tut’s auch nicht. Also muss der Mann den Rest des Weges zu sei­ner Arbeits­stel­le schieben.

Das macht ein ande­rer Rad­fah­rer ganz frei­wil­lig, der schnell vom Fahr­rad springt, ehe ihn die Beam­ten ent­deckt haben. „So ist es rich­tig“, ruft ihm ein Poli­zist zu, als er den unbe­leuch­te­ten Draht­esel bemerkt.

Die Poli­zei, die in der dunk­len Jah­res­zeit ein beson­de­res Augen­merk auf die Sicher­heit der Rad­fah­rer legt, schaut in die­sen Tagen aber nicht nur den Zwei­rad­fah­rern auf die Fin­ger. „Sie set­zen zwar häu­fig die Unfall­ur­sa­che“, sagt Poli­zei­haupt­kom­mis­sar Ralf Kes­sing und nennt etwa Geis­ter­fah­rer auf der fal­schen Rad­wegsei­te und das Nicht­be­ach­ten der Vorfahrt.

Doch auch die Auto­fah­rer ver­hal­ten sich längst nicht immer kor­rekt gegen­über dem schwä­che­ren Ver­kehrs­teil­neh­mer. Und so sind auch sie im Visier der Beam­ten bei den der­zei­ti­gen „Akti­ons­wo­chen Radfahrer“. 

Stopp­schild wird von vie­len missachtet

Wie ges­tern auf der König­stra­ße am Kauf­hof. Wer von der Drei­kö­ni­gen­stra­ße ein­biegt, muss ein Stopp­schild beach­ten. Doch zeit­wei­se rau­schen Auto­fah­rer und Rad­fah­rer im Fünf-Sekun­den-Takt durch, ohne groß die Brem­se ange­tippt zu haben.

Beid­seits der Stra­ße war­ten bereits Poli­zei­be­am­te – kaum jemand, der sich nicht gleich ein­sich­tig zeigt. „Ich habe ein­fach nicht drauf geach­tet“, stöhnt eine Rad­fah­re­rin. Zehn Euro sind auch für eine Rad­le­rin fäl­lig, die erst das Stopp­schild miss­ach­tet, dann beim Anblick der Poli­zei ver­schreckt auf dem Bür­ger­steig wei­ter­fährt und auch noch mit Kopf­hö­rern an den Ohren erwischt wird.

Die Beam­ten kaum erken­nen wie­der­um kann eine Golf-Fah­re­rin, da die Schei­ben ihres Wagens beschla­gen sind. Auch sie hat vor dem Abbie­gen in die König­stra­ße nicht ange­hal­ten. „Nicht gestoppt, kein rich­ti­ger Blick durch die Schei­ben mög­lich – wenn dann noch ein dun­kel geklei­de­ter Rad­fah­rer kommt, der kein Licht anhat, kann das schnell eine fata­le Situa­ti­on erge­ben“, sagt Poli­zei­ober­kom­mis­sar Marc Hebben.

Des­halb sind die Beam­ten auch in den nächs­ten Tagen noch unter­wegs, um Auto- und Zwei­rad­fah­rer auf ihr fal­sches Ver­hal­ten auf­merk­sam zu machen.

Die Sicher­heits­be­ra­ter der Poli­zei waren in vie­len wei­ter­füh­ren­den Schu­len, um auf das rich­ti­ge Ver­hal­ten im Stra­ßen­ver­kehr, die beson­de­ren Gefah­ren in der dunk­len Jah­res­zeit und das ver­kehrs­si­che­re Fahr­rad hinzuweisen.

Ges­tern wur­den bei den Kon­trol­len 74 Ver­warn­gel­der kas­siert (36 davon bei Auto­fah­rern), es gab eine Ord­nungs­wid­rig­keit. Ein Rad­ler wur­de mit Dro­gen erwischt.