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Zahl der Kinderunfälle 2010 auf niedrigstem Stand

By 16. Februar 2011Januar 11th, 2021No Comments

Zahl der Kin­der­un­fäl­le 2010 auf nied­rigs­tem Stand
– Bes­tes Ergeb­nis seit Beginn der Initia­ti­ve „Kre­fel­der Fairkehr“

Mit ins­ge­samt 87 im Stra­ßen­ver­kehr ver­un­glück­ten Kin­dern im Jahr 2010 hat der Arbeits­kreis Ver­kehrs­si­cher­heit für Kin­der in Kre­feld – auch bekannt als Initia­ti­ve „Kre­feld Fair­kehr“ – sein bis­lang bes­tes Ergeb­nis vor­ge­legt. Im Ver­gleich zu dem schon sehr guten Jah­ren 2006 (104) und 2008 (97) sank die Zahl der Unfall­op­fer noch ein­mal deut­lich. Im Ver­gleich zu 1999 (185 Ver­un­glück­te), als die Initia­ti­ve „Kre­fel­der Fair­kehr“ ihre Arbeit auf­nahm, sind die Unfall­zah­len in der Alters­grup­pe bis 14 Jah­re mehr als hal­biert worden. 

Im Focus der Initia­ti­ve von Stadt, Poli­zei und Ver­kehrs­wacht stand im ver­gan­ge­nen Jahr ins­be­son­de­re die Grup­pe der zehn bis 14 Jah­re alten Rad­fah­rer. Die Poli­zei kon­trol­lier­te ver­stärkt im Umfeld der Schu­len, die Schul­ver­wal­tung gab für jede Schu­le neue Rad­we­ge­plä­ne her­aus. Ins­ge­samt kann „Fair­kehr“ erfreu­li­che Zah­len vor­wei­sen. Ver­un­glück­ten 2007 noch 64 Kin­der die­ser Alters­grup­pe auf Fahr­rä­dern, redu­zier­te sich die­se Zahl 2010 deut­lich auf 34 Unfäl­le (also auf fast die Hälf­te). Hand­lungs­be­darf bestand aus Sicht der Ver­ant­wort­li­chen vor allem im Ein­wir­ken auf das man­geln­de Risi­ko­be­wusst­sein beson­ders der Jun­gen in die­ser Alter­grup­pe, dem wei­ter mit ver­stärk­ter Auf­klä­rung auch an den Schu­len ent­ge­gen­ge­tre­ten wer­den muss. Wäh­rend seit Jah­ren ziem­lich kon­stant um die 40 Mäd­chen ver­un­glück­ten, lag die Zahl der ver­un­glück­ten Jun­gen regel­mä­ßig höher. Auch 2010 wur­de noch kein Gleich­stand erreicht, aber eine star­ke Annä­he­rung: 42 Mäd­chen und 45 Jun­gen. Ein Todes­fall muss­te 2010 nicht beklagt wer­den. Zuletzt ver­un­glück­te 2008 ein Jugend­li­cher tödlich.

Die Zahl der schwer ver­letz­ten Kin­der ist 2010 mit 14 Jugend­li­chen zwar nicht auf dem nied­rigs­ten Niveau, aber es ist der dritt­bes­te Wert. Nach 2007 mit eben­falls 14 schwer­ver­letz­ten Kin­dern regis­trier­te die Poli­zei 2008 ledig­lich neun Unfäl­le mit anschlie­ßen­der sta­tio­nä­rer Behand­lung in einem Kran­ken­haus. 1999 war die­se Zahl mit 41 schwer ver­letz­ten Kin­dern fast drei Mal so hoch. Die Ursa­che für den Rück­gang sehen die Fach­leu­te vor allem im ver­min­der­ten Geschwin­dig­keits­ni­veau des Kfz-Ver­kehrs auf Kre­fel­der Stra­ßen. Die unver­min­dert hohe Zahl der Ver­kehrs­kon­trol­len von Poli­zei und Stadt habe auch 2010 dazu geführt, dass sich die regis­trier­ten Tem­po-Ver­stö­ße in den letz­ten Jah­ren kon­ti­nu­ier­lich ver­rin­gert haben. Fahr­zeu­ge mit Kre­fel­der Kenn­zei­chen, die die vor­ge­ge­be­nen Geschwin­dig­keits­be­gren­zun­gen sehr deut­lich über­schrei­ten, gibt es nahe­zu über­haupt nicht mehr. Als „rich­ti­ge Raser“ gehen den Ver­kehrs­kon­trol­leu­ren von Poli­zei und Ord­nungs­amt vor allem aus­wär­ti­ge Fah­rer ins Netz.

Zur Gesamt­bi­lanz gehört jedoch auch der Hin­weis, dass es immer wie­der Schwan­kun­gen bei der Unfall­ent­wick­lung gibt. So waren 2004, 2006 und 2008 „erfolg­rei­che“ Jah­re mit gerin­gen Ver­letz­ten­zah­len, wäh­rend in 2005, 2007 und 2009 Rück­schlä­ge hin­ge­nom­men wer­den muss­ten. Von den Ver­ant­wort­li­chen war des­halb auch stets betont wor­den, dass eine seriö­se Bewer­tung des Unfall­ge­sche­hens nur über einen län­ge­ren Zeit­raum mög­lich sei. Die­sen Bei­trag leis­te­te nach zwölf Jah­ren jetzt Dr.-Ing. Rai­ner Wie­busch-Woth­ge von der Ruhr-Uni­ver­si­tät Bochum, der vor allem in den ers­ten fünf Jah­ren die Initia­ti­ve „Fair­kehr mit Rat und fun­dier­ten Unter­su­chun­gen des Unfall­ge­sche­hens vor Ort inten­siv beglei­tet hat­te. Der Wis­sen­schaft­ler hat­te vor­aus­ge­sagt, dass bei Beach­tung aller vor­ge­schla­ge­nen Maß­nah­men die Unfall­zah­len in Kre­feld hal­biert wer­den könn­ten. Damit gerech­net hat­te er jedoch erst für 2013 oder 2014. Umso erfreu­ter zeig­te er sich jetzt über die erreich­ten Zah­len, appel­lier­te aber auch dar­an, in den Anstren­gun­gen nicht nach­zu­las­sen, denn die Sicher­heits­kon­zep­ti­on für die Kin­der ist eine dau­er­haf­te Aufgabe.

1999 ist die Initia­ti­ve „Kre­fel­der Fair­kehr“ in die inten­si­ve Pha­se der Bekämp­fung der Kin­der­un­fäl­le ein­ge­tre­ten. Aus­gangs­punkt waren eine Unter­su­chung und ein Hand­lungs­kon­zept der Ruhr­uni­ver­si­tät Bochum. Zuvor konn­te 1998 die „Stif­tung für Kri­mi­nal­prä­ven­ti­on“ unter Lei­tung von Klaus Stül­len­berg in Müns­ter-Hil­trup für ein For­schungs­pro­jekt gewon­nen wer­den. Sie beauf­trag­te die Ruhr-Uni­ver­si­tät Bochum – Lehr­stuhl für Ver­kehrs­we­sen – mit einer Ana­ly­se von rund 800 Unfäl­len mit Kin­dern und dar­aus resul­tie­rend mit der Ent­wick­lung eines Handlungskonzepts.

Einen wich­ti­gen Bei­trag zum Rück­gang der Unfall­zah­len mit Kin­dern leis­te­ten auch die zahl­rei­chen bau­li­chen Maß­nah­men (seit 1999 ins­ge­samt 360) im Stra­ßen­netz. Die Poli­tik in Kre­feld trug eben­so mit erheb­li­chen finan­zi­el­len Mit­teln zur Erfolgs­ge­schich­te von „Fair­kehr“ bei. Ins­ge­samt stell­ten Stadt Kre­feld und das Land in den ver­gan­ge­nen zwölf Jah­ren Land an die drei Mil­lio­nen Euro für die Arbeit der Initia­ti­ve bereit.

Poli­zei und Stadt heben nach zwölf Jah­ren gemein­sa­mer Arbeit her­vor: Der „Kre­fel­der Fair­kehr“ ist kein Pro­jekt, son­dern selbst­ver­ständ­li­cher Bestand­teil der All­tags­or­ga­ni­sa­ti­on zahl­rei­cher Behör­den und Insti­tu­tio­nen gewor­den. Die Initia­ti­ve beein­flusst seit Jah­ren vie­le behörd­li­che, poli­ti­sche und päd­ago­gi­sche Entscheidungen. 

In ihrem Fazit für 2010 stel­len „Fair­kehr“ und der Lei­ter der Initia­ti­ve Hart­mut Kön­ner fest: „Die Unfall­zah­len mit Kin­der­be­tei­li­gung lie­gen so nied­rig wie noch nie seit Beginn unse­rer Arbeit. Damit ist ein wesent­li­ches Ziel fast erreicht, aber nach­hal­tig wir­ken wir nur, wenn wir in unse­ren Anstren­gun­gen nicht locker las­sen. Es gilt: Der Weg ist rich­tig und erfolg­reich, aber noch nicht zu Ende.“