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VCD wählt Krefeld als Positivbeispiel für die Verkehrssicherheit

By 10. September 2014Januar 11th, 2021No Comments

In einer groß ange­leg­ten Stu­die beur­teilt der Ver­kehrs­club Deutsch­land (VCD) in sei­nem Städ­te­check 2014 die Sicher­heit von Fuß­gän­gern. Hin­ter­grund ist die Tat­sa­che, dass bei mehr als einem Drit­tel aller töd­li­chen Ver­kehrs­un­fäl­le Fuß­gän­ger betei­ligt waren; ein Unfall­ge­sche­hen mit stei­gen­der Tendenz.

Die Sicher­heit hat für ande­re Ver­kehrs­teil­neh­mer zuge­nom­men, für Fuß­gän­ger ist sie lei­der seit 2009 rück­läu­fig. Beson­ders gefähr­det sind logi­scher­wei­se Kin­der, Jugend­li­che und Senio­ren, also die nicht oder nicht-mehr moto­ri­sier­ten Ver­kehrs­teil­neh­mer. „Sie ver­un­glü­cken zu über 80 Pro­zent beim Que­ren der Stra­ße und das nicht, weil sie sich fehl ver­hal­ten, son­dern oft auf­grund fal­scher Abbie­ge­ma­nö­ver oder über­höh­ter Geschwin­dig­keit von Auto­fah­rern“, sagt Anja Hänel, Refe­ren­tin für Ver­kehrs­si­cher­heit beim VCD.

Aus der Ana­ly­se der Unfäl­le hat der VCD auch Emp­feh­lun­gen abge­lei­tet, wie die Städ­te die­ses nega­ti­ve Unfall­ge­sche­hen beein­flus­sen kön­nen. Dabei wur­de die Stadt Kre­feld exem­pla­risch als posi­ti­ves Bei­spiel her­aus gegrif­fen, weil hier die Unfall­ten­denz mit einem jähr­li­chen Schnitt von 5,8 Pro­zent rück­läu­fig ist. Die­se Ent­wick­lung geschah nicht zufäl­lig. Viel­mehr ist sie ein­deu­tig ein Ergeb­nis der gemein­sa­men Anstren­gung von Kre­fel­der Stadt­ver­wal­tung, Poli­zei und Ver­kehrs­ex­per­ten, die in einer ver­netz­ten Ver­kehrs­si­cher­he­it­in­itia­ti­ve mit dem Namen „Kre­fel­der Fair­kehr“ seit 1999 zusam­men arbei­ten, um die Unfall­sta­tis­tik mit Kin­dern in der Stadt zu sen­ken. „Was Kin­dern im Ver­kehrs­ge­sche­hen hilft, dass kommt auch Fuß­gän­gern im All­ge­mei­nen und Senio­ren im Beson­de­ren zugu­te“, meint Hart­mut Kön­ner, seit Beginn Lei­ter des Arbeits­krei­ses Kre­fel­der Fair­kehr. Die Unfall-Rück­gän­ge von über 60 Pro­zent bei Kin­dern, die wir seit 1999 in 15 Jah­ren Arbei­ten ver­zeich­nen, haben auch die Fall­zah­len von Fuß­gän­gerun­fäl­len ganz all­ge­mein in Kre­feld be-ein­flusst“, sagt Kön­ner und freu­te sich über die Aner­ken­nung der in Kre­feld geleis­te­ten Arbeit durch den VCD. Für die Bemü­hun­gen erhielt „Kre­fel­der Fair­kehr“ im Jahr 2007 den Lan­des­preis NRW für Inne­re Sicherheit. 

Im Ver­lauf der 1990er Jah­re fand sich die Stadt Kre­feld in den Ran­king­lis­ten von Kin­der­un­fäl­len in den Ver­kehrs­jah­res­bi­lan­zen von NRW immer auf letz­ten und aller­letz­ten Plät­zen. Das signa­li­sier­te Hand­lungs­be­darf. 1999 ist die Initia­ti­ve „Kre­fel­der Fair­kehr“ in die inten­si­ve Pha­se der Bekämp­fung der Kin­der­un­fäl­le ein­ge­tre­ten. Aus­gangs­punkt waren eine Unter­su­chung und ein Hand­lungs­kon­zept der Ruhr­uni­ver­si­tät Bochum. Zuvor konn­te 1998 die „Stif­tung für Kri­mi­nal­prä­ven­ti­on“ unter Lei­tung von Klaus Stül­len­berg in Müns­ter-Hil­trup für ein For­schungs­pro­jekt gewon­nen wer­den. Sie beauf­trag­te die Ruhr-Uni­ver­si­tät Bochum – Lehr­stuhl für Ver­kehrs­we­sen – mit einer Ana­ly­se von rund 800 Unfäl­len mit Kin­dern in Kre­feld und dar­aus resul­tie­rend mit der Ent­wick­lung eines Handlungskonzepts.

Die Initia­ti­ve „Kre­fel­der Fair­kehr“ ist ein Arbeits­kreis von Poli­zei, Kre­fel­der Stadt­ver­wal­tung und Ver­kehrs­si­cher­heits­ex­per­ten. Die Initia­ti­ve beruht auf vier Säu­len oder Arbeits­krei­sen, die selb­stän­dig und ziel­ori­en­tiert in ihren jewei­li­gen Auf­ga­ben­be­rei­chen arbei­ten und ihre Ergeb­nis­se in das Ple­num kommunizieren. 

Im Ergeb­nis ergibt sich dar­aus ein Bün­del von öffent­lich­keits­wirk­sa­men, bau­li­chen, ver­kehrs­be­zo­ge­nen, päd­ago­gi­schen und ord­nungs­po­li­ti­schen Maß­nah­men, die die Anzahl der Kin­der­un­fäl­le von 185 in 1999 in mehr als 15 Jah­ren Arbeit auf 77 (davon 23 pas­siv als Mit­fah­rer in einem Auto) im Jahr 2013 sen­ken konn­te. Das war ein Weg, der nie ganz von Rück­schlä­gen ver­schont blieb, aber in der Sum­me und über die Jah­re gese­hen immer mehr zu einer spür­ba­ren Redu­zie­rung der Unfäl­le bei­trug. Der genann­te Rück­gang in den 15 Jah­ren inten­si­ver Arbeit ist grö­ßer als von den Wis­sen­schaft­lern der Ruhr-Uni Bochum für die­sen Zeit­raum pro­gnos­ti­ziert wurde.

Einen wich­ti­gen Bei­trag zum Rück­gang der Unfall­zah­len mit Kin­dern leis­te­ten auch die zahl­rei­chen bau­li­chen Maß­nah­men (seit 1999 ins­ge­samt 360) im Stra­ßen­netz. Die Poli­tik in Kre­feld trug eben­so mit erheb­li­chen finan­zi­el­len Mit­teln zur Erfolgs­ge­schich­te von „Fair­kehr“ bei. Ins­ge­samt stell­ten Stadt Kre­feld und das Land NRW in den ver­gan­ge­nen zwölf Jah­ren an die drei Mil­lio­nen Euro für die Arbeit der Initia­ti­ve bereit.

Poli­zei und Stadt heben nach 15 Jah­ren gemein­sa­mer Arbeit her­vor: Der „Kre­fel­der Fair­kehr“ ist kein Pro­jekt, son­dern selbst­ver­ständ­li­cher Bestand­teil der All­tags­or­ga­ni­sa­ti­on zahl­rei­cher Behör­den und Insti­tu­tio­nen gewor­den. Die Initia­ti­ve beein­flusst seit Jah­ren vie­le behörd­li­che, poli­ti­sche und päd­ago­gi­sche Entscheidungen. 

In ihrem Fazit für die Unfall­bi­lanz 2013 (vor­ge­stellt im Früh­jahr 2014) stell­ten „Fair­kehr“ und der Lei­ter der Initia­ti­ve Hart­mut Kön­ner fest: „Die Unfall­zah­len mit Kin­der­be­tei­li­gung lie­gen so nied­rig wie noch nie seit Beginn unse­rer Arbeit. Damit ist ein wesent­li­ches Ziel fast erreicht, aber nach­hal­tig wir­ken wir nur, wenn wir in unse­ren Anstren­gun­gen nicht locker las­sen. Es gilt: Der Weg ist rich­tig und erfolg­reich, aber noch nicht zu Ende.“